Das unbeschreibbare in Worte zu fassen. Erlebnisse beschreiben. Ein Gefühl erklären.
Wenn ich gefragt werde, wie das Outlook Festival in Pula, Kroatien “war”, fehlen mir die Worte – ich sage dann “absolutely sick man”, denn mehr fällt mir nicht ein.
Am Mittwoch den 31. August 2011 wurde ich morgens um 7 Uhr abgeholt. Im Gepäck: Ein Zelt, ein paar Klamotten, CD’s und Ungewissheit. Mit dem Auto ging es los – die Invasion der Adria. Das Outlook Festival 2011. Die Autobahnen waren frei und bereits in Österreich trafen wir an einer Raststation die ersten Engländer die uns mit “Hey guys – you’re going to Outlook Festival?” begrüßten. – “Yeah, sure – where you’re from?” “All the way from London, we’re driving since yesterday evening.”
Man muss es sich auf der Zunge zergehen lassen…Jugendliche und junge Erwachsene aus ganz Europa nehmen mehrere Tage Anfahrt in Kauf, um am Festival teilzunehmen – doch wir mussten weiter, die Londoner sollten wir wieder an der Grenze nach Kroatien treffen. Bis dahin war es noch ein gutes Stück Weg, on the Road, auf Achse, quer durch Europa – durch die Republik Slowenien. Erstklassige Straßen (EU-Geldern sei Dank), eine wunderschöne, vielseitige Natur, die an Österreich, Deutschland und die Toskana erinnert. All das vermittelt einen positiven Gesamteindruck!
Doch auch der erste Rückschlag musste kommen. Die Ausreise aus der Europäischen Union. Der kroatische Zollbeamte musste nicht lange überlegen…. “You guys going to Outlook Festival? – wait over there”. Was folgte war eine Stunde Psychoterror. Die Beamten sind zu faul ein Auto wirklich zu durchsuchen, also wird Druck gemacht. Die Engländer, welche wir in Österreich getroffen hatten wurden mit etwas Gras “festgenommen”. Wir waren sauber, also ging die Reise weiter.
In Pula, der nächstgrößeren Stadt, mit dem Auto circa 10min entfernt, angekommen stand ein kurzer Einkauf von Grundnahrungsmitteln bevor. 3 Paletten Bier und etwas Essen – es sollte nicht lange reichen.
Am Festivalgelände dauerte es noch knapp zwei Stunden bis das erste Bier geöffnet wurde. Es galt sich ein Einlassbändchen und ein Campingbändchen zu sichern. Noch schnell auf dem Campingplatz einchecken, Zelt aufbauen – and then, finally: Bier auf!
Noch in der Nacht bauten unsere Zeltnachbarn aus Karlsruhe ihr Schlafgemach auf – ich kann mir keine besseren Festivalnachbarn vorstellen – soviel wie wir gelacht und gefeiert haben!
Mit dem Strand vor der Haustüre ging Tag 1 des Festivals los – das Festivalgelände ist eine mittelalterliche Militäranlage. Man kann im “Hafen”, in der “Schlucht” oder in neun weiteren “Areas” feiern. Überall war eins geboten: Erstklassiger Sound und beste Laune! So verbrachten wir quasi den gesamten ersten Abend bei Drumstep, eine Mischung aus Dubstep und Drum ‘n Bass in der “Moat”.
Der Tag 2 spielte sich quasi komplett im “Dungeon” ab, dem Kerker der Anlage – ursprünglich wurden hier Menschen gefangen gehalten. Heute bleibt man freiwillig – dem Bass sei Dank! Das Dungeon hatte bei uns schon bald den Spitznamen “Sweatbath”, Sauna – knapp 100 tanzende Menschen bringen eine Hitze die unvorstellbar ist – aber egal der Sound stimmt, also: Feiern!
Tag 3 – mein persönliches Highlight. Pharoahe Monch, der Live eher enttäuscht hat gefolgt von Foreign Baggers und Flux Pavillion. Ich hatte bereits zwei mal die Ehre Foreign Baggers Live zu sehen, doch das Publikum sollte alles verändern. Foreign Baggers zauberten die mit Abstand härteste Moshpit hervor, die ich in meinem Leben je gesehen hatte und höchstwahrscheinlich jemals sehen werde. Flux Pavillion setzte dem ganzen noch die Krone auf und überzeugte vollkommen! Doch nach 4,5h mit vollem Körpereinsatz sehnte sich mein Körper nach Schlaf und er bekam ihn!
Sonntag, der 4. September 2011 – der letzte Tag des Festivals, der letzte Tag vor der Abreise. Die Zeit bis dahin verging wie im Flug und so langsam realisierte man, dass es bald Richtung Heimat gehen würde. Doch auch an diesem Abend stand ein Lineup an, das Körper zum Zittern bringen sollte! Cotti, Doctor P und viele mehr verlangten meinem Körper noch einmal alles ab. Zum Glück regnete es, denn sonst hätte ich einen Hitzeschlag erlitten. Definitv.
Am Montag-Morgen stellte die kroatische Polizei noch einmal ihr gesamtes Know-How unter Beweis, in dem sie einen kleinen Tumult auf dem Campingplatz mit Mannschaftswagen und Sirene auflösten…..auflösten? Nein, eher wurde der gesamte Campingplatz durch die Sirene geweckt und die Menschenmassen vergrößerten sich von vielleicht 30 auf weit über 100. An dieser Stelle: Big thumbs up!
Alles in allem war das aber das einzigste mal, dass ich “Stress” mitbekommen habe. Es war ein friedliches Festival, welches vorallendingen durch eine perfekte Organisation überzeugte!
Jeden Tag wurde auf dem Festivalgelände aufgeräumt, wenn man wusste wo, gab es immer saubere Dixies, die Wege waren ausgeleuchtet. Und an Wegen die zu Beginn noch nicht oder schlecht belichtet waren, wurden Lichterketten aufgehängt. Kleinigkeiten die einen positiven Gesamteindruck vermitteln. Auch lernte ich die englische Clubbing-Culture kennen….Kein Gedränge vor den Bühnen, jeder hat Platz zum Tanzen – hier können die Deutschen noch viel lernen!
Um zu einem Fazit zu kommen….Das Outlook-Festival war definitv das mit Abstand beste Festival meines bisherigen Lebens. Perfekte Organisation, freundliche Menschen, top Sound-Qualität und die nahezu unbeschreibliche Location rufen Fernweh hervor!
Cheers!